Schulen in Jade

Zusammenfassung

Ist das Lesen, Schreiben, Rechnen für uns heute eine Selbstverständlichkeit, so war dieses vor 400 Jahren beileibe nicht so. Die Menschen, die sich damals hier ansiedelten, hatten die schwere Arbeit auf sich genommen, das Moor zu kultivieren und das zunächst noch unbedeichte Land zu bewirtschaften. Der dann folgende Bau des Deiches, dessen Unterhaltung und die Bearbeitung des neuen Grodens erforderten jede Arbeitskraft, auch die der Kinder. Einen vom Grafen Anton Günther befohlenen Schulbetrieb aufzubauen, fand hier nicht gerade günstige Bedingungen, zumal das Vogteigebiet eine große Ausdehnung hatte und noch wenig Menschen dort wohnten. Auch fand das Schulvorhaben bei den damaligen Bewohnern wenig Gegenliebe, denn, um sein Land zu bewirtschaften, brauchte man seine Hand und nicht den Kopf, so die landläufige Meinung.

 

Wann der erste Schulbetrieb in der Vogtei aufgenommen wurde, lässt sich nicht mehr genau ermitteln. 1617 wird von einem Schulmeister, dem Küster Andream Guntram, berichtet. Wahrscheinlich ist aber schon vorher Schule gehalten worden, denn im Zehntregister von 1597 wird ein „Scholemester“ erwähnt. Leider ist sein Name nicht mit angeführt. Der Unterricht, oder vielleicht richtiger gesagt, die Unterweisung, fand in der Küsterei statt. Nur wenige Kinder aus der näheren Umgebung werden daran teilgenommen haben. Sie sind auch sicher nicht regelmäßig erschienen und sicher auch nicht regelmäßig betreut worden. Die Schulen, die auf dem Lande eingerichtet wurden, waren zunächst mehr Kirchenschulen, denn ihr Hauptanliegen war die Vermittlung kirchlicher Gesänge und Texte.

 

Es war so, dass jedes Kind halbjährlich12 Grote 1) an Schulgeld zu zahlen hatte. War es eine Schule mit vielen Kindern, so hatte der Lehrer, auch Schulhalter oder Schulmeister genannt, einen höheren Verdienst als ein solcher mit weniger Kindern.

 

Die öffentliche Schule zu besuchen, war für viele, ja die meisten Kinder eine Strapaze. Die großen Entfernungen und die schlechten Wegeverhältnisse, Argumente, die immer wieder in alten Schriften genannt werden, machten es teilweise, besonders den kleineren Kindern, fast unmöglich, die Schule zu besuchen. Eltern, die ihren Kindern trotzdem ein Grundwissen beibringen lassen wollen, haben ihnen entweder im eigenen Hause Unterricht erteilen lassen oder sich mit mehreren Nachbarn zusammengetan und eine so genannte, nicht erlaubte Klippschule eingerichtet. Dies ist der Grund, warum sich der Pfarrer 1683 beim Konsistorium beschwert:

 

„Nebst denen ordentlichen Schulen richten unterschiedliche Personen eigenen Gefallens, ohne Vorwissen des Pastoren, den Hauptschulen nicht nur, sondern auch der Jugend selbst zum merklichen Nachteil, hin und wieder Klippschulen ein“. Auf diese Beschwerde hin wird ihm folgende Antwort zuteil: „Es sollen die Schulmeister, die ohne geschehene Erlaubnis sich unterstehen, Schule zu halten und dadurch Eltern und Kinder verführen, ins Halseisen gestellet werden“.

 

Eine solche Strafe ist in der Gemeinde jedoch nicht bekannt geworden.

 

Zwar hatte die Obrigkeit den besten Willen, den Landeskindern die wichtigsten Kenntnisse zu vermitteln, doch fehlte es an Schulen und ausgebildeten Lehrern. Der Unterricht an den Klippschulen wurde oft von 12- oder 13jährigen Kindern erteilt.

 

Die angesprochene Hauptschule im Kirchspiel war in der Küsterei bei der Kirche. So genannte Nebenschulen entstanden in Jaderberg, Außendeich, Bollenhagen, Kreuzmoor und Mentzhausen. Zunächst nur als Winterschulen, meist im Hause desjenigen, der den Unterricht erteilte. Dann wurde auch im Sommer unterrichtet, doch mit wesentlich geringerer Beteiligung als im Winter. Schließlich entstanden die Standschulen, d.h., der Unterricht erfolgte in Gebäuden, die als Schule und Lehrerwohnung aus- oder umgebaut waren. Dieses geschah 1635 in Jaderberg, 1729 in Außendeich, 1765 in Südbollenhagen/Langstraße, 1810 in Kreuzmoor und 1861 in Mentzhausen.

 

1) Grot = alte Münze, 72 Grot = 1 Taler, 1 Grot = 5 Schwaren

 

Die Hauptschule

 

Es besteht kein Zweifel daran, dass der erste Unterricht im Kirchspiel in Jade  -oder richtiger in Altendeich- erteilt wurde. Die Bezeichnung „Schule“ entspricht natürlich nicht unseren heutigen Vorstellungen. Mit Schule ist ein Raum im Küsterhause oder die Diele gemeint; man spricht vom Schullocal oder von der Schulstube. In der Kirchenrechnung von 1647 ist die „Schule beim Teiche“ vermerkt, also am Deich, dem Jaderaltendeich, und dort hatte auch die Küsterei zu jener Zeit gelegen. Küsterei und Schule waren eins, und der Küster hat das Amt des Schulmeisters wahrgenommen und auch das des Organisten. Pastor Goens schreibt 1885 dazu: „In der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts war die Küsterei und Schule vereinigt in einem Gebäude, das am Alten Deiche lag und auf dem Grundstück Art. 210 der Mutterrolle stand. Zwischen 1650 und 1685 ward das Gebäude an die jetzige Stelle verlegt“, (gemeint ist das Küsterhaus, welches damals am Friedhof stand).

 

Die Schule bei der Kirche war die erste im Kirchspiel. Die große Ausdehnung des Kirchspiels machte es aber den weit entfernt wohnenden Kindern unmöglich, dort die Schule zu besuchen. Es wurden erst später, wie schon erwähnt, weitere Schulen eingerichtet.

 

An dieser Schule war 1617 als Schulmeister der Küster Andream Guntram. Anzunehmen ist, dass der schon erwähnte „Scholemester“, der bereits 20 Jahre früher im Zehntregister erwähnt wird, an gleicher Stelle tätig war. Die meisten Angaben über die erste Zeit der Schulen finden sich in den Visitationsprotokollen. Da bittet z. B. der Pastor im Jahre 1710 darum, „dass ein heimlich Gemach vor die Schulkinder bey der Küsterey gesetzet werde“. Es wurde von ihm deshalb für notwendig erachtet, weil die Schüler ihre Notdurft immer auf dem Kirchhofe verrichteten. 1717 heißt es, dass der Schulmeister wieder einmal keine Schule gehalten hat, obwohl er das Schulgeld erhalten hat. Einige der Kinder seien nur wegen der Visitation gekommen.

 

Dringend muss einem Übelstande abgeholfen werden: In der Schulstube ist ein alter Ofen, der untauglich und geborsten ist. Wird er im Winter benutzt, so entwickelt er so viel Rauch, dass die Kinder “sich nicht bergen können“.

 

Ebenfalls wird nochmals, wie schon vor 19 Jahren, um den Bau eines „privaet oder Abtritts“ gebeten. Dieser ist damals wahrscheinlich nicht hergestellt, denn dann wäre von einer Reparatur gesprochen worden. Ob dieses Mal allerdings die beantragten Wünsche erfüllt wurden, ist nicht überliefert.

 

Ein neues Küsterhaus wird 1826 mit einem Kostenaufwand von ca. 1600 Talern errichtet. Das Gebäude ist massiv erbaut und mit Reet gedeckt, an der Kirchhofseite ist eine Eingangstür zum Schulzimmer. Zu den Baukosten hat die ganze Kirchengemeinde beigetragen, und daraus ergibt sich ein Streit, der etwa 30 Jahre anhält. Die Interessenten der Nebenschulachten betrachten das neue Gebäude nämlich nicht als Küsterei, sondern als Schule. Sie fordern deshalb ihr Geld einschließlich der bereits entstandenen Reparaturkosten zurück. Schließlich fordern sie sogar die Trennung der Hauptschule von den Nebenschulen.

 

Endlich, am 20. Mai 1840, verfügt das Konsistorium, dass die Kirchengemeinde 2/3 und die Hauptschule 1/3 der Kosten zu tragen hat, und dass letztere außerdem das Inventar des Schullokals, Schulgerät und Lehrmittel allein zu besorgen hat.

 

Die Kinder aus den fünf südlichen Bauen Außendeichs und die der dort liegenden Kötereien hatten die Hauptschule zu besuchen, ferner die Nordbollenhagener und die Altendeicher Kinder. Da viele der Kinder einen weiten Weg zur Schule hatten und deshalb in der einstündigen Mittagspause nicht nach Hause gehen konnten, wurde dort 1886 ein Mittagstisch eingerichtet. Es wurde ein großer Kochtopf von 40 l Inhalt angeschafft, und als häufigste und beliebteste Mahlzeit gab es getrocknete Erbsen oder Bohnen mit Speckwürfeln und Fett gekocht.

 

Seit Jahren betrug die Schülerzahl 90 und mehr und deshalb bot das alte Schullokal nicht mehr genügend Platz. Auch überstieg es die Kräfte eines Lehrers, soviel Schüler aller Alterklassen zu unterrichten.

 

Nun bot sich 1893 die Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen. Der Nachbar der Schule, der Gastwirt Warns, hatte ein neues Haus an der Bollenhagener Straße gebaut; er war bereit, sein altes Gebäude zu verkaufen. Dadurch könnte eine zweite Klasse eingerichtet und die Wohnung für einen Nebenlehrer erstellt werden. Es bot sich auch ein schöner Spielplatz an, so dass die Kinder nicht mehr den bis dahin als Pausenhof benutzten Kirchhof gebrauchen müssen. Ein solcher Pausenplatz dürfte wohl nicht so leicht woanders anzutreffen sein.

 

Am 9. November 1893 kauft der Schulvorstand das Anwesen von Warns für 2750,- Mark. Das Gebäude muss nun als Schule eingerichtet werden. Zunächst werden Qualität und Umbaumöglichkeiten untersucht. Doch ein Umbau wird nicht vorgenommen, sondern man beschließt am 7. November 1894 einen Schulneubau mit einer zweiten Klasse.

 

Die Fertigstellung erfolgt zum Wintersemester 1895/96. Das alte Schullokal wird zur Nebenlehrerwohnung ausgebaut.

 

Zum Mai schickte das Oberschulkollegium einen Lehrer, der auch an den angeschafften schönen Geräten Turnunterricht erteilen konnte.

 

Bis zur Schließung der Schule wurde in diesem Gebäude unterrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt noch ein Anbau für die Landwirtschaftliche Berufsschule. Mit Eröffnung der Jaderberger Hauptschule erfolgte ein Transport der Jader Schulkinder mit dem Bus zur neuen Schule.

Später noch wird die Küsterei, die Wohnung des Lehrers, abgerissen und an deren Stelle 1971 ein Haus für die Jader Pastoren gebaut. Ab 1972 bis heute wird das inzwischen in seiner Substanz sehr gebeutelte Schulgebäude von der Kirchengemeinde als Gemeindehaus genutzt.

Die Privatschule

 

Auf Drängen des Jader Arztes Dr. Cramer macht Pastor Goens eine Eingabe an das Oberschulkollegium.

Er schreibt am 15. August 1878, dass es beabsichtigt sei, eine Privatschule in Altendeich einzurichten. Der Philologe R. Siebelist sei bereit, als Lehrer zu wirken.

 

Acht Tage später wird die Genehmigung erteilt und mit Beginn des Wintersemesters der Unterricht (bei Brumund?) aufgenommen.

 

Kinder ab dem 9. Lebensjahr werden unterrichtet. 1896 sind es zwei Jungen und zwei Mädchen.

Unterrichtet wird in den Hauptfächern, neue Sprachen, und wenn gewünscht, auch in alten Sprachen.

Im Unterrichtsplan sind nicht enthalten: Singen, Handarbeit und Turnen

 

Über die weitere Entwicklung liegen unterschiedliche Angaben vor. Einmal heißt es, dass die Schülerzahlen bis 1922 stetig ansteigen und auch Namen von Lehrern werden genannt. Dann soll 1926 der Schulbetrieb wegen zu geringer Beteiligung eingestellt werden.

 

An anderer Stelle heißt es, dass 1918 ein neuer Verein gegründet worden ist, der bis 1940 bestanden hat. Erster Unterricht war im Hause Steen und dann im Privathaus Gramberg.

 

Am 11. Januar 1948 wird dann der "Privatschulverein Jade e.V." gegründet. Der Unterricht erfolgte im Hause Brumund.

 

Die günstige Entwicklung machte den Erwerb eines eigenen Gebäudes erforderlich. Deshalb kaufte man (1953) eine Marineschulbaracke (Jahrgang 1935), die in Brumunds Garten aufgestellt wurde. So entstand im Volksmund die Bezeichnung "Brettergymnasium"

 

Das so genannte "Brettergymnasium"

 

 

1954 erfolgte die Anerkennung als Staatliches Progymnasium. Die Weiterentwicklung forderte eine erneute Vergrößerung, die durch einen Neubau (1967) in Jaderberg erfolgte.

 

Die Fortbildungsschule

 

Die Errichtung einer Fortbildungsschule wird 1902 beschlossen.

Sie ist für Handwerkslehrlinge unter 18 Jahren gedacht.

6 Jahre danach werden unterrichtet:

26 Handwerkerlehrlinge, 3 Kaufmannslehrlinge und 3 Schreiberlehrlinge.

 

Im Weltkrieg 1914/18 ist man gezwungen, auf Grund des Lehrermangels und weil die Lehrlinge der Molkerei wegen Arbeitskräftemangel vom Unterricht befreit sind, die Schule zu schließen.

 

Im Sommer 1920 können wieder zwei Lehrer eingestellt werden und 1927 sind als Lehrkräfte Herr Hillmann und Tischlermeister Johann Wilkens tätig.

Die Schülerzahl vermindert sich auf 6 Lehrlinge und so wird der Schulbetrieb wieder eingestellt.

 

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Jade an der Hauptschule, im heutigen Gemeindehaus  angebaut und dort eine landwirtschaftliche Berufsschule für Jungen und Mädchen eingerichtet.

Für die Mädchen war auch eine Küche vorhanden.

 

Unterricht erteilte bei den Mädchen Frl. Köhler und bei den Jungen Herr Netzel.
 

Entnommen dem Buch "Wo ick herkom - Geschichtlicher Rückblick über Jaderaussendeich, Jade und Bollenhagen"
Mit freundlicher Genehmigung der Kirchhoff-Verlags-GmbH Jade  -  Hierzu mehr

 

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